Kritik der Naumburger Zeitung – Die Zauberflöte

Die Zauberflöte oder die Jagd nach dem Hohen C

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Helga Heilig schreibt in der Naumburger Zeitung am 02.10.2011:

Der ganz normale Wahnsinn

Ausgerechnet „Die Zauberflöte“, ein anspruchsvolles und an allen großen Opernhäusern der Welt aufgeführtes Singspiel vom Meister Mozart, soll auf die Bühne eines kleinen Theaters kommen. Die Fördergelder sind genehmigt, der Theaterförderverein und weitere Sponsoren sind aktiviert – die Proben können beginnen. Und justament in diesem Moment packt die Sängerin-Diva des Hauses ihre Koffer und geht. Sollen wegen einer geplatzten Zauberflöte die bereits avisierten Gelder flöten gehen? Der Prinzipal, genannt Schikaneder, beschließt, das anspruchsvolle Vorhaben auch ohne Diva anzugehen.

Das Publikum bekommt in der Folge scheinbar unverstellte, direkte Einblicke in den ganz normalen Wahnsinnstheateralltag. Und das ist eine Inszenierung, die ihres Gleichen sucht. Selbstironie und Satire ist in der anderthalb Stunden dauerenden Aufführung an der Tagesordnung. Ein Gag jagt förmlich den anderen und die Spielfreude der Darsteller ist ohne Pause bis zur fast letzten Minute ungebrochen. Am Schluss kommt der Höhepunkt, und zwar ohne Spieler: Ein grandios-phantastisches Bühnenbild, das auch von Karl Friedrich Schinkel stammen könnte, dazu Mozart in voller Orchesterbesetzung.
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Der Beifall wollte nicht enden am Sonnabend nach der Premiere der Inszenierung „Die Zauberflöte oder die Jagd nach dem Hohen C“. Auch selten in Naumburg: Es gab sogar Szenenapplaus, und das nicht zu knapp. Das ist der schlagendste Beweis dafür, dass diese Inszenierung von Helmut Landwehr und Sylvia Wanke gänzlich die Erwartungen des Publikums erfüllt. War man nach der glanzvollen Inszenierung von Landwehr und Wanke „Nosferatu. Ein Nachtstück“, die düstere, dramatische Seiten aufschlägt, noch skeptisch, ob sie einen heiteren Stoff auf der Bühne umsetzten können, wurde man gleich zum Einstieg eines Besseren belehrt. Landwehr und Wanke arbeiten mit überraschenden theatralen Effekten. Sie überlassen nichts dem Zufall. Jede Geste, jede Mimik sitzt und sprich Bände. Sie schrecken auch nicht davor zurück, Klamauk-Klischees aus der Klamottenkiste zu holen, sie abzustauben und ins Stück einzubauen. Mit Holger Vandrich (Schikaneder) Kathrin Blüchert (Susanna) und Tobias Weishaupt (Amadeus) haben sie die optimale Besetzung – hier müsste eigentlich das Wort „ausgesucht“ stehen, aber das stimmt nicht, denn das Ensemble des Theaters zählt bekanntermaßen nur vier Spieler. Von Aussuchen kann also nicht die Rede sein.

Die drei Spieler agieren filmreif und besonders Vandrich wächst als pseudointellektueller Theaterchef über sich hinaus. Er persifliert seinen Berufsstand auf eine unnachahmlich komische Weise.
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